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  • Linda

Ein Moselspaziergang in Corona-Zeiten

Was die Mosel so alles mit sich bringt....


Besonders momentan – in einer Zeit des Kontaktverbots und des „Zwangsurlaubs“ oder Home-Office für viele von uns – zieht es uns raus aus den schnöden vier Wänden und rein in die Natur. Nicht nur die scheinbar unendlich strahlende Sonne tut ihr übriges dazu, sondern auch die vielen kleinen lauschigen Plätzchen und Strände am Moselufer, die sich immer nur dann zeigen, wenn der Wasserpegel der Mosel unter die Normhöhe von ca. 4 m sinkt. Da lässt es sich also fantastisch entspannen und Wind und Vögeln lauschen, denn neben all den gravierenden Auswirkungen der Corona-Krise hat diese doch den schönen Nebeneffekt, dass die (für einige von uns) verfügbare Zeit und der abnehmende Auto- (und Schiffsverkehr!) in und um die Stadt Trier noch einmal Augen und Ohren für das Wesentliche schärfen: die Natur um uns herum! Radelt man dieser Tage entlang des Moselradwegs oder streift durchs Ufer-Unterholz, führen uns dabei manche Entdeckungen vor Augen wie schnell die Zeit in einer von Arbeit und Alltag dominierten Welt vergeht: Nicht nur unter den Schiffsanlegern, vor den Schleusen und auf den Moselinseln, sondern auch entlang der Ufer finden sich Unmengen an Treibholz, die beim letzten Mosel-Hochwasser im Februar angespült wurden. Am 5. Februar 2020 lag der Moselpegel bei 9,07 m – knappe 7 Meter über dem heutigen (21.04.20) Niveau. Seitdem scheint sich die Welt auf den Kopf gestellt zu haben…

Doch statt nun die neuesten Corona-Infektionsraten zu analysieren, sammeln wir doch ein paar dieser wunderschönen, fein geschliffenen Treibholzstämme, basteln daraus Kräuterregale für den Balkon oder Blumenständer für den Garten. Bei den Mengen an Holz, die die Mosel im Februar angeschwemmt hat, könnten damit viele viele Gärten dekoriert werden, außerdem stellten wir uns die Frage, was die Mosel im Laufe ihres Lebens wohl noch so alles angeschwemmt hat…

Kennt ihr den höchsten Pegelstand, den die Mosel je erreicht hat?! In den Katastrophenjahren 1783/1784 stieg der Wasserstand der Mosel auf über 12 Meter. Wenn ihr gerade an einem der schnuckeligen Moselstrände sitzt, dann stellt euch eine Wasserflut vor, die euch nochmal um 8 m überragt…. Diese Fluten rissen dann sicherlich nicht nur Treibholz, sondern Menschen, Häuser, Kelter mit Weinfässern und andere Gerätschaften und vor allem Eisblöcke mit sich. Wieso Eisblöcke? Das Jahrhunderthochwasser von 1783/84 war kein gewöhnliches Hochwasser, sondern eine Folge von einer ganzen Reihe Wetter- und Naturereignisse, die nicht nur die beiden Jahre, sondern das gesamte Leben der Menschen für Jahrzehnte prägen sollte. Im Sommer 1783 kam es zu Vulkanausbrüchen in Europa und Japan, die zu einer großflächigen Lufttrübung führten. Vielleicht erinnert ihr euch an den Vulkanausbruch 2009 auf Island, der einen Großteil des Flugverkehrs lahmlegte? Die Lufttrübungen im 18. Jahrhundert waren ums Vielfache gravierender und führten aufgrund der vulkanischen Schwefelgase in der Stratosphäre zu einer Trübung der Sonneneinstrahlung. Hinzu kam eine unglaubliche Sommerhitze und Trockenheit, gefolgt von einem extrem starken und schneereichen Winter. Auf tagelange Schneefallereignisse folgten kurze Tauphasen, die den Wassergehalt im Schnee erhöhten. So verursachte letztendlich der massive Warmlufteinbruch im Februar 1784, gepaart mit starken Regenfällen und Eisstau im Moselflussbett, die größte Überschwemmung seit Menschen gedenken. Ein solches Zusammentreffen von Ereignissen hat es seit dem zwar nie wieder gegeben, doch bis heute ist und bleibt die Mosel ihr eigener Herr. Mit der Moselkanalisierung in den 1950er und 60er Jahren erhoffte man sich zwar eine gewisse Regulierung der Fließmengen, doch das Zusammenfließen der verschiedenen Wasserströme konnte nur begrenzt durch Staustufen kontrolliert werden, weshalb wir bis heute Jahr für Jahr von Hoch- und Niedrigwasser der Mosel überrascht werden… Zuletzt stieg die Mosel im Jahr 1993 nach 5 Tagen Starkregen auf gut 11 Meter Wasserstand an, was bis heute nicht mehr übertroffen wurde. Doch angesichts der immer häufiger auftretenden Wetteranomalien im Zuge des Klimawandels hält die Mosel sicherlich noch einige Überraschungen bereit.

Deshalb genießen wir doch momentan das saubere Wasser, die saubere Luft, und das entschleunigte Stadtleben, um ein paar Momente fern von Alltag, Krankheit und Kontaktsperre zu verleben.


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